Teil 1: Realitäten akzeptieren
Ohne Risiko entgeht man keiner großen Gefahr

Wenn du begreifst, sind die Dinge, wie sie sind. Begreifst du nicht, sind die Dinge, wie sie sind. (Buddhistische Weisheit)

Häufig sind den handelnden Akteuren die Krisenursachen bekannt. Die Bereitschaft, sich den Tatsachen zu stellen und die erforderlichen Entscheidungen zu treffen, fehlt hingegen oft. Das ist nur allzu menschlich, aber beschwört vermeidbare Risiken herauf: Auf Entwicklungen, die man nicht wahrnimmt oder nicht wahrnehmen will, kann man nicht angemessen reagieren. Wir müssen uns der Tendenz bewusst werden, sich an Gewohnheiten und Vertrautes zu klammern, wenn sich die Dinge ändern oder wir unsicher sind. Nur so können wir diese überwinden. 

Klassisches und viel zitiertes Beispiel hierfür ist Kodak, der ehemalige Weltmarktführer der analogen Fotografie. Die Entwicklung zur digitalen Fotografie wurde nicht erkannt oder nicht ernst genommen. Das Unternehmen verweigerte sich der Realität. Der Rest ist Geschichte. 2012 meldete Kodak Insolvenz an.

Eine international tätige Holding erwarb eine weitere Produktionsstätte. Der Verkäufer des Unternehmens verpflichtete sich in dem Kaufvertrag noch weitere fünf Jahre Produkte zu erwerben.

Mit Auslaufen des Vertrags mit dem ehemaligen Eigentümer, verringerte sich die Auslastung. Die erhofften Synergien stellten sich nicht ein. Neue Kunden und konnten nicht im erforderlichen Umfang gewonnen werden. Eine Anpassung der Personalkosten scheiterte am erbitterten Widerstand des Betriebsrats. Massive Verluste entstanden. Der Eigentümer scheute den Image- und Reputationsschaden einer harten Restrukturierung und stellte – nach dem Prinzip Hoffnung – über längere Zeit liquide Mittel zur Verfügung.

Letztlich blieb als einziger Ausweg die Restrukturierung in der Insolvenz. Das Management wurde durch erfahrene Sanierer ersetzt, viele Mitarbeiter verloren ihre Arbeit, die durch den Eigentümer zur Verfügung gestellten Liquiditätshilfen waren verloren. Es gelang zwar das Unternehmen zu stabilisieren. Durch das Zögern hatten aber alle Beteiligten verloren.

Besonders dramatisch stellte sich die Situation für die Mitarbeiter dar. Sie hatten darauf vertraut, dass sie durch die arbeitsrechtlichen Regelungen und die zahlreichen Betriebsvereinbarungen geschützt sind. Während viele Beteiligte ihr zu spätes oder unterbliebenes Handeln bedauerten, konnten oder wollten sie bis zum Schluss nicht die schwierige Situation und die daraus resultierenden Konsequenzen akzeptieren.

Dr. Ronald Roos
Kapitalmarkttransaktionen | Finanzierungen | Restrukturierungen 
CEO | CFO | CRO
Management on Demand AG
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